Die besten Heimkinoveröffentlichungen des Monats
Unsere DVD-Tipps4U für den AugustKaum ist die Fußballweltmeisterschaft vorbei, hat uns das nächste sommerliche Phänomen (hoffentlich) im Griff: Sommer, Sonne, Hitze und Freibad. Was nicht automatisch bedeutet, dass wir der Heimkinoleinwand komplett fernbleiben sollten. Im Gegenteil: Nach den vergleichsweise veröffentlichungsarmen WM-Monaten Juni und Juli schöpfen die Verleiher jetzt wieder aus den Vollen, wohl wissend, dass es – gerade bei erhöhten Temperaturen – im Schatten eines Bildschirms auch mal etwas kühler werden kann. Gerade richtig also, um heiße Sommertage etwas lauer ausklingen zu lassen. Das nötige Unterhaltungsfutter gibt es in Form unserer monatlichen Tipps.
Nachdem er mit „Evil Dead Rise“ der Horrorreihe von Sam Raimi neues Leben einhauchen durfte, widmet sich Regisseur Lee Cronin einem noch größeren Horrorklassiker: der Mumie. Im Rahmen dieser vor Gore und fiesen Effekten triefenden Neuinterpretation bekommt es eine Familie mit dem Fluch einer uralten Mumie zu tun, die während der gemeinsamen Zeit in Ägypten offenbar Besitz von Tochter Katie ergreift, die erst acht Jahre später bei einem Flugzeugabsturz wieder auftaucht. In einem Sarkophag und eingewickelt in Pergament, aber ansonsten lebendig. Nur etwas neben der Spur, was bald schon fürchterliche Folgen hat. Ein uralter Dämon hat von dem Mädchen Besitz ergriffen und fordert nun blutigen Tribut. Das Ergebnis? Keine Neuerfindung des Horrorrades, aber solide Schock-Kost, die mit Jack Reynor und Laia Costa zudem ausgesprochen gut besetzt ist.
Mehr als 15 Jahre ging es weitestgehend ohne Horst Schlämmer, den rückengeplagten Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblattes. Aber irgendwann ist auch für einen dauergrunzenden Lokaljournalisten das Fass zum Überlaufen gebracht. Diesmal kandidiert Horst Schlämmer nicht, er begibt sich auf die Spuren eines gewissen Herrn Rossi und sucht nicht weniger als das Glück. In Deutschland! Wo man sich gerade ja eher am unteren Ende der emotionalen Fahnenstange wähnt. Quasi dokumentarisch folgt der Film dem auch in seiner Rolle sichtlich gealterten Hape Kerkeling durch die Republik und lässt ihn „Schätzelein“ an Grunzlaut reihen und sogar den ein oder anderen prominenten Politiker zu Wort kommen. Wirklich aufrüttelnd ist das nicht. Aber in seinem humoristischen Retrocharme wirkt das fast schon wieder nostalgisch und wärmend wie eine Heizdecke über dem schmerzgeplagten Rücken.
Keiner gibt den „Nobody“, hinter dem sich ein durchaus wehrhafter Kerl verbirgt, derzeit besser als „Breaking Bad“- bzw. „Better Call Saul“-Star Bob Odenkirk, der nach zwei Einsätzen als mörderischer „Nobody“ diesmal auf die andere Seite des Gesetzes wechselt. Als Sheriff Ulysses soll er in der Kleinstadt Normal das Recht vertreten. Was zunächst ganz einfach erscheint. Weil in der Kleinstadt jeder jeden kennt und darüber hinaus die Yakuza ihren Geldschatz hier aufbewahrt, weshalb sich niemand in illegale Spielchen zu verstricken wagt. Bis die örtliche Bank dann doch überfallen wird und buchstäblich die Hölle losbricht. Ein Set-up, das schnell in B-Movie-Gefilde abdriften könnte, wäre da nicht die Top-Besetzung, zu der auch „Game of Thrones“-Star Lena Headey gehört und der britische Regisseur Ben Wheatley, der unter anderem mit „Kill List“, „Sightseers und „High-Rise“ Spezialist für pechschwarzen Humor und handfeste Action ist. Voll normal!
Die Nürnberger Prozesse sind beileibe nicht zum ersten Mal Inhalt einer filmischen Aufarbeitung – aber so psychologisch interessant und stark besetzt hat man die Abrechnung mit den Nazigranden des Dritten Reiches noch nicht erleben dürfen. Unter anderem Michael Shannon, Leo Woodall, John Slattery, Richard E. Grant und Colin Hanks sind mit von der Partie, wenn es „Mr. Robot“ Rami Malek als Gefängnispsychiater mit Russell Crowe in der Gestalt von Hermann Göring zu tun bekommt. Ihr Aufeinandertreffen enthüllt viel von dem, was die Ideologie der Nazis so gefährlich macht, und holt in rund zweieinhalb Stunden in Sachen psychologischer Spannung das Maximum aus einer Sachbuchvorlage, deren Erkenntnisse ja eigentlich bekannt sein dürften. Regie führte mit James Vanderbilt aber auch jemand, der sich für sein Drehbuch zu „Zodiac – Die Spur des Killers“ schon einmal mit psychopathischen Killern auseinandergesetzt hat. Er bleibt sich also auch hier treu.
Enid Blyton, ist das nicht die mit „Hanni und Nanni“ und „Fünf Freunde“? Richtig! Die Britin gehört zu den beliebtesten Kinder- und Jugendbuchautorinnen des vergangenen Jahrhunderts – war allerdings so früh aktiv, dass einige ihrer Stoffe manchmal etwas veraltet wirken können. Was den wenigsten bewusst sein dürfte: Auch sie hat sich als Autorin eher fantastischer Stoffe versucht, von denen die „Zauberwald“-Reihe bzw. der dazugehörige „Wunderweltenbaum“ jetzt verfilmt (und dankenswerterweise auch modernisiert) worden ist. Claire Foy und Andrew Garfield spielen hier die Eheleute Thompson, die mit ihren Kindern von London aufs Land ziehen, wo Papa Tim die Kinder noch davon abzuhalten versucht, den nahe liegenden Wald zu frequentieren. Der freilich hat es in sich: in Gestalt des magischen Wunderweltenbaums, der die Kids in fantastische Wunschwelten transportiert. In denen natürlich irgendwo auch eine Moral von der Geschicht’ lauern dürfte …
Es würde uns nicht wundern, wenn die Drehbücher der letzten fünf Jason-Statham-Vehikel allesamt von künstlicher Intelligenz geschrieben worden wären. Mit jeweils minimalen Veränderungen im Algorithmus wird aus der britischen Action-Ikone mal ein britischer Ex-Agent, dann wieder ein ehemaliger Söldner oder sonst ein elitär vor sich hin prügelndes Wesen, das a) nette alte Damen rächen, b) entführte Töchter retten oder c) anderweitig bedrohtes Jungvolk vor Schaden bewahren muss. Von derselben KI übrigens, die für die letzten zehn Liam-Neeson-Filme verantwortlich zeichnete. Abgesehen davon, liefert „Shelter“ mehr als nur solide Genrekost, in dem allerhand Geheimdienst-Intrigen dafür sorgen, dass Stathams ehemaliger Royal Marine seine Fähigkeiten wieder einem Test unterziehen muss. Zur Ehrenrettung und der eines jungen Mädchens. Fights, Action und markige Oneliner dürften Statham-Fans jedenfalls vollauf zufriedenstellen.
Eigentlich liest sich schon die Entstehungsgeschichte von „Michael“ wie ein „Thriller“. Denn weil die rechtlich immer noch nicht vollumfänglich geklärten Vorwürfe gegen den Sänger angeblich thematisiert worden waren – was Absprachen mit vermeintlichen Opfern zuwiderlief –, musste man noch mal ran an das Biopic-Material. Das am Ende so glatt gebügelt daherkommt, wie man sich das als Jackson-Clan (und Jackson-Fan) nur wünschen kann. Kurz: Wer hier die Aufstiegsgeschichte eines dunkelhäutigen Jungen zum King of Pop erleben und Zeuge der Entstehung seiner größten Hits werden will, der ist richtig. Nicht nur, weil die Rolle seines Onkels wie angegossen passt auf dessen Neffen Jaafar Jackson, sondern auch weil Antoine Fuqua ganz genau weiß, wie man eine Ikone der schwarzen Popkultur richtig in Szene setzt. Als kritikloses und musikalisch eindrucksvolles Denkmal ist „Michael“ deshalb ein echter Gewinn, als Auseinandersetzung mit den dunkleren Aspekten seiner Legende eher weniger.
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