
Die besten Musikalben des Monats
Die Musik-Tipps4U für den MärzHarry Styles hat seine Rückkehr angekündigt. Und eigentlich ist das ein Signal an alle anderen, mit ihren Albumveröffentlichungen zu warten, bis sich die ganze Aufregung wieder gelegt hat. Aber was ein echter Gorilla ist, der lässt sich nicht einschüchtern. Und die deutschsprachige Musikszene, die wir ansonsten in den Blick nehmen, funktioniert vom internationalen Buhei weitgehend unabhängig. Kurz: Weder Sarah noch Johannes, der Graf oder Voodoo Jürgens haben etwas von der Knutschdisco des Womanizers zu befürchten. Im Gegenteil: Auch sie laden gelegentlich zum Tanzen ein. Der ein oder andere Schmatzer auf die Wange nicht ausgeschlossen. Viel Spaß!
Albumveröffentlichungen folgen längst nicht mehr der Logik von früher. Albumveröffentlichungen der absoluten Top-Stars werden als eigene Erzählung in einem eigenen Fan-Universum zelebriert. Das ist bei einer Taylor Swift so und bei Ex-One-Direction-Sänger Harry Styles nicht anders. Schon dreimal hat er solo sogar bei der seriösen Musikkritik für Begeisterungsstürme gesorgt, seit einiger Zeit treibt er sich feiernd oder Marathon laufend in Berlin herum. Und Ende 2025 hat er plötzlich aus dem Nichts heraus ein Video veröffentlicht, das mit der Zeile „We Belong Together“ endete. Just dieser Satz fand sich Anfang Januar auf Plakatwänden weltweit und leitete Interessierte auf die Webseite von Styles, die wiederum zu einem WhatsApp-Chat führte. In dem genau diese Botschaft, vermeintlich von Harry Styles persönlich, auftauchte. Schließlich dann die Verkündigung des Albums mit dem merkwürdigen Titel. Und die Gewissheit: Sag mir, wie du dich inszenierst, und ich sage dir, wie erfolgreich du wirst. Ach ja, die Musik: Wie nicht anders zu erwarten, zum Niederknien, Küssen und manchmal zum Tanzen.
Hotel, das steht für Reisen, für fremde Städte und neue Erfahrungen. Mehr als ein Jahr lang Pause hat Johannes Oerding sich seit 2024 genommen. Zeit, um nicht nur endgültig die Beziehung zu Ina Müller hinter sich zu lassen, sondern auch, um seine (mutmaßlich) neue Liebe zu pflegen. Unterwegs war er extrem viel in dieser Zeit. Eine gemeinsame Weltreise soll es gewesen sein, die ein Stück weit auch eine Reise zurück zu sich selbst (und hin zu neuen Ufern) gewesen sein dürfte. Davon kündete bereits die erste Single „Hier gehör ich hin“, ein ziemlich flotter Uptempo-Song. Und davon zeugt auch der Rest des Albums „Hotel“, das Oerding und Co. live eingespielt haben und das von einer Zeit on the road zeugen soll. Eine Art musikalisches Reisetagebuch also. Hier steigen wir gerne (mit) ab.
Was ist eigentlich aus der guten alten EP geworden? Der Platte, die zu viel für eine Singleveröffentlichung ist und zu wenig für einen Longplayer? Scheinbar ist sie vollkommen in Deluxe-Editionen bereits durchverkaufter Alben aufgegangen. Das ist gut für all diejenigen, die erst später auf den Zug aufspringen und gleich ein sehr umfangreiches Album erstehen dürfen. Und schlecht für die Fans, die den Großteil der Songs nun doppelt besitzen. Aber es ist eben nicht mehr wegzudenken aus der Musikvermarktung und die Fans beschweren sich offenbar auch nicht. Nun also Sarah Connor, die ihr starkes Nummer-eins-Album „Freigeistin“ jetzt erneut veröffentlicht. Mit den Songs, die sie für Wochen in die Top Ten katapultiert haben. Und eben mit sechs neuen Songs, die den musikalischen Braten durchaus sinnvoll ergänzen. Das Ganze – immerhin – auf CD als Hardcoverbuch, das sich im Regal noch ein bisschen schöner macht. Fanservice. Irgendwie aber auch nicht.
Da haben sich einige der den zuweilen etwas pathetischen Unheilig-Klängen eher kritisch gegenüberstehenden Popadelsverächter wohl zu früh gefreut, als der Graf vor gut neun Jahren sein Handtuch geworfen hatte. Von wegen nie wieder Unheilig! Persönliches Ego, zahlreiche seiner Fans und vielleicht auch der Finanzberater wollten es nun doch anders. Kurz: Dem für Boxer postulierten „They never come back“-Gebot schleudert der Graf einen selbstbewussten linken (und rechten) Haken entgegen. Wer spätestens bei neun wieder aufsteht, nachdem er angezählt wurde (auch wenn es sich um Jahre handelt), der darf noch mal sein ganzes Gewicht in den Kampf werfen. Zumal der Unheilig-Frontmann freimütig zugibt, dass er in den langen Zeiten seines musikalischen Exils nie aufgehört habe, Songs zu schreiben. Einiges davon findet sich destilliert wieder in „Glaube Liebe Hoffnung“, dem es auf fast magische Weise gelingt, nahtlos an das Vorgängeralbum anzuschließen. „Musik ist immer noch meine Sprache, in der ich mich am besten ausdrücken und meine Geschichten erzählen kann.“ Das Lagerfeuer ist gerade erst entzündet worden. Und seine vielen Fans warten schon begierig darauf, mit welchen Geschichten der Graf seinem Ruf gerecht wird.
Der Berg, der das neunte Album der Zeichentrickband von Damon Albarn und Jamie Hewlett kennzeichnet, ist nicht in einem Land zu verorten, vielleicht nicht mal mehr ausschließlich in unserer Realität. Man will das Album wohl eher als Party zwischen dem Dies- und dem Jenseits verstanden wissen, was umso deutlicher wird, wenn man sich die Gästeliste näher besieht. Hier tauchen neben Rapper Black Thought, Gruff Rhys, Anoushka Shankar, Johnny Marr und den Sparks auch bereits von uns gegangene Musik- und Filmgrößen auf: darunter der „Easy Rider“ Dennis Hopper, Bobby Womack, Tony Allen oder Indie-Ikone Mark E. Smith (The Fall). Mit ihnen flanieren wir durch Klang- und Soundlandschaften, die von überall auf der Welt zu kommen scheinen, aber eines gemeinsam haben: diesen unvergleichlich kosmopolitischen Gorillaz-Sound, der Gemeinschaft und Kollaboration lebt und zum Klingen bringt.
Eine Art Faschings- oder Kostümball ist der „Gschnas“ in Österreich. Und das passt zwar ein bisschen zur provinziellen Enge, die Voodoo Jürgens seit Jahren besingt, irgendwie aber auch gar nicht zu Voodoo Jürgens, der – Pseudonym hin oder her – in Sachen Selbstoffenbarung keinerlei Masken zu tragen scheint. Mit bislang drei Alben (zuletzt: „Wie die Nocht noch jung wor“) und dem Film „Rickerl – Musik ist höchstens a Hobby“ (der ihm den österreichischen Filmpreis einbrachte) hat er es auf unserer Lieblingsösterreicherliste, unter anderem neben dem Nino aus Wien, dem Josef Hader und dem Marco Wanda, ganz nach oben gebracht. Jedes Voodoo-Konzert ist wie eine versoffene Nacht im Beisl, jeder Song eine melancholische Erinnerung an die unerreichte Größe österreichischer Liedermacherkunst. Wobei „Gschnas“ auch für einen Abschied steht. Voodoo Jürgens ist dem schummrigen Säufer- und Spielerbiotop „Beisl“ entwachsen und traut sich raus. Zumindest ein bisschen. Für einen Maskenball, an dessen Ende wir alle emotional entblößt dastehen …
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