Hilfe, mein Kind will nicht lernen
Hilfe, mein Kind will nicht lernen

Wahrscheinlich hat jedes Kind im Laufe seiner Schulkarriere früher oder später einmal eine Phase, in der Lernen ziemlich „uncool“ ist und die Eltern an der Sturheit des Nachwuchses schier verzweifeln. Ihr Kind ist gerade in diesem Stadium? Dann ist erstmal ruhig bleiben angesagt. Erinnern wir uns zurück, wie waren wir selbst in dem Alter? Sicherlich saßen wir auch nicht mit Begeisterung an den Hausaufgaben oder haben sehnsüchtig auf die nächste Mathearbeit gewartet, oder? Richtig, deshalb gilt, nicht zu viel in die aktuelle Situation hineininterpretieren. Ein paar schlechte Noten sind kein Weltuntergang und auch aus einem scheinbar lernunwilligen Kind kann ein Musterschüler werden.

Angst vor Fehlern kann schwerwiegende Folgen haben

Oftmals haben Kinder Angst, Fehler zu machen. Vielleicht wurden sie von der Klasse schon einmal ausgelacht, weil sie die Rechenaufgabe nicht gleich richtig gelöst haben? Um nicht mehr in so eine unangenehme Situation zu geraten, vermeiden die Kleinen die Fehler, in dem sie, genau richtig, gar nichts tun, denn dann kann man auch nichts falsch machen. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Fehler nicht schlimmes sind, dass auch bei Ihnen Dinge schieflaufen und vor allem, versuchen Sie nicht gleich mit Bestrafung zu drohen. Suchen Sie den offenen Dialog, finden Sie heraus, wo das Problem liegt und ganz wichtig, hören Sie zu, wo das Problem wirklich liegt.

„Ein Kind ist kein Gefäß, das gefüllt, sondern ein Feuer, das entzündet werden will“

Dieses Zitat stammt von dem französischen Dichter Francois Rabelais und beruht auf unserer natürlichen Neugier. Denn der Mensch will lernen, wichtig ist nur, die Begeisterung wieder zu entfachen. Wer immer nur Ziele, die von anderen vorgegeben sind erreichen soll, entwickelt dabei keine positiven Emotionen. Versuchen Sie es deshalb andersrum. Fragen Sie Ihren Nachwuchs welche Träume er hat? Ist es eine Reise um die Welt, das Medizinstudium oder ein großes Haus mit Pool? Träume sind mit Emotionen verbunden, dafür arbeitet es sich leichter, als für schnöde Noten. Und streichen Sie den Satz „Wie war es in der Schule?“ aus Ihrem Standardrepertoire, Ihr Kind wird es Ihnen danken und vielleicht sogar von selbst anfangen zu erzählen.

Lernen Sie Ihr Kind zu lesen

Jedes Kind ist ein Individuum und muss auch entsprechend gefördert werden. Wird lieber alleine gelernt oder in der Gruppe? Ist der Nachwuchs ein Wettkampf-Typ und sucht gerne den Vergleich mit anderen? Wird das Gedicht vielleicht beim gemeinsamen Spaziergang besser gelernt? Lassen Sie sich auf die Bedürfnisse der Kleinen ein und seien Sie offen für unkonventionelle Lernmethoden. Alles, was hilft, ist erlaubt.

Bestrafung und Belohnung wirken nur kurzfristig

Seien Sie vorsichtig, wenn es um versprochene Belohnungen bzw. um entsprechende Bestrafungen geht. Natürlich können Sie mit Handyentzug bei schlechter Leistung drohen oder eine gute Note mit Geld belohnen, aber damit fördern Sie kein Lernen aus Freude, sondern schlicht den Leistungserfolg. Zudem sollte eher der Prozess der Anstrengung, heißt, wie viel hat Ihr Kind für die entstandene Note gelernt, belohnt werden und weniger das Endergebnis. Kann es doch sein, dass für eine Drei in Mathe viel mehr gelernt wurde, als für die Zwei in Geschichte. Erkennen Sie lieber den Lernaufwand an, als reine Noten.

Vermeiden Sie die Elternfalle „Hausaufgaben“

Tappen Sie nicht in die bekannte Elternfalle namens „Hausaufgaben“. Hilfestellungen können Sie gerne geben, vielleicht auch eine Aufgabe gemeinsam lösen, aber schießen Sie nicht über das Ziel hinaus und übernehmen die Hausaufgaben für den Nachwuchs komplett. Denn die Kleinen sind schließlich nicht blöd, sie merken sofort, was sie tun oder sagen müssen, damit die Eltern ihnen die ganze Arbeit abnehmen. Hausaufgaben sollten aber ganz in der Verantwortung des Nachwuchses liegen, denn manchmal haben die Kinder schlichtweg nur keine Lust, könnten die Aufgaben aber problemlos lösen.

„Ich kann das nicht“ gibt es nicht

Jeder von uns trägt Glaubenssätze mit sich herum, auch die Kleinen – „Ich kann kein Mathe“ – die uns ungemein behindern. Manifestieren sich Sätze wie diese macht der Nachwuchs die Schotten dicht und gibt dem Lernstoff keine Chance mehr. Was hilft? Gehen Sie auf die Bedenken der Kleinen ein, nach dem Motto „Algebra ist gerade ein Problem für dich, aber du bist doch super in Geometrie“, natürlich macht das kein Mathe-Ass aus Ihrem Kind, aber das Gefühl, sie werden den gesamten Stoff nie verstehen, wird zumindest abgemildert.

Skateboard
Kind mit seinen Freunden

Vertrauen Sie Ihrem Nachwuchs

Wenn die Kleinen nicht an sich selbst, an den eigenen schulischen Erfolg glauben können, dann sollten Sie das übernehmen. Geben Sie dem Nachwuchs ein Gefühl von Sicherheit. Kinder müssen wissen, dass jemand an sie glaubt. Nur so, wächst auch das eigene Selbstbewusstsein wieder. Und, noch wichtiger, seien Sie ehrlich zu sich selbst und Ihrem Kind. Wurde so viel Lernstoff verpasst bzw. nicht verstanden, dass eine Versetzung nicht mehr möglich ist, muss diese auch nicht krampfhaft erzwungen werden. Seien Sie für den Nachwuchs da, bleiben Sie gelassen und gehen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind das neue Schuljahr positiv an. Sitzenbleiben ist kein Weltuntergang, sondern eine neue Chance.

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